Stadt Zwingenberg - modernes Leben in historischen Mauern
Zwingenberg an der Bergstraße
romantische Scheuergasse
Zwingenberg im Modell
Scheuergasse efeubewachsen
Zwingenberg im Modell

Altstadt im Modell

Zum Jubiläumsjahr 1999, in welchem Zwingenberg 725 Jahre Stadtrechte feiern konnte, wurde von Prof. Gerhard Scheper ein Modell der historischen Stadt erstellt.

Das Modell zeigt die Stadt um etwa 1610. Landgraf Ludwig XIV. hatte 1603 den "Platz, darauf die alte Burg gestanden, samt dem Turm und Graben", nämlich die Wasserburg, der Stadt geschenkt, sodass der neue Marktplatz angelegt werden konnte. Der Zustand vorher ist unbekannt. 1611 genehmigte dann der Landgraf, "dass außerhalb der Stadtmauern und Gräben ringsherum […] Vorstädte erbaut werden" durften. Sicherlich zeigt das Modell ein schöneres Bild der Stadt, als sie zu jener Zeit wohl war. Ein Nachprüfen ist nicht möglich - die Stadt wurde vom Pfälzischen Erbfolgekrieg am 4. Juli 1693 von den Soldaten des Sonnenkönigs Ludwig IV. "völlig aus dem Grund zerstört."

Als Grundlagen für das Modell haben die entsprechenden Beschreibungen in den Chroniken (Pfarrer Hein, Möller, Chronik 1974), der Katasterplan, die Lüft-Höhenvermessungen in den 70er Jahren, sowie die Straßenhöhen des Generalentwässerungsplans der Stadt gedient. Die Ansichten aus jener Zeit, die Stiche von Dilich (1605), Meißner (1625), und Merian (1640) haben sich dabei als nicht nützlich erwiesen. Abgesehen davon, dass sie bis in die letzten Einzelheiten voneinander kopiert sind, sind sie mit dem Katasterplan nicht in Übereinstimmung zu bringen, und schon die dort dargestellten Türme entsprechen nicht den heute noch feststellbaren Verhältnissen. Es ist also leider noch reichlich Raum und Notwendigkeit für Fantasie.

Die wahrscheinliche Entwicklung der Stadt ist angedeutet: Auf dem Berg sind noch strohgedeckte Häuser ohne Schornsteine vorhanden. Deutlich ist hier die Haufensiedlung zu erkennen. Dagegen lässt die Unterstadt keinen Zweifel an einer planmäßigen Anlage. Die Häuser um den Marktplatz sind mit etwas helleren Dächern als erst wenige Jahre alte Neubauten dargestellt.

Viele Einzelheiten konnten allerdings aus den Unterlagen nicht ersehen werden; sie mussten der Mutmaßung und Wahrscheinlichkeit überlassen bleiben. So ist das Aussehen des Herrenspeichers reine Annahme ebenso wie die Gestalt des ersten Rathauses und der Stadttore. Ungeklärt bleibt auch, ob die Nordwestecke am "Löwen" nicht besser befestigt war. Weiter ist die Frage offen, ob es hinter der Stadtmauer eine Mauergasse wie in vielen anderen Städten gab, auf der im Verteidigungsfalle die ohne Zweifel relativ geringen Verteidigungstruppen einen wechselnden Angriffspunkt schnell erreichen konnten. Da weder aus dem Katasterplan noch aus Akten das Vorhandensein einer solchen Gasse ersichtlich ist, wurde sie weggelassen.